Teil eines Werkes 
1. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

225

nen, von hohem Laubwerk umgebenen Teiche. Wie war es hier ſo unendlich lieblich und lauſchig. Der Herbſt hatte das Laub der Bäume gefärbt mit den verſchieden⸗ ſten Farben und Tinten, und wie ein großer Kranz la⸗ gerte es um die klaren Waſſer des Teichs, aus dem hie und da nur ein Fiſchchen ſchnappend das Köpfchen hervorſteckte, oder ein Froſch ſein melancholiſches eintö⸗ niges Quaken vernehmen ließ, während zwei ſtolze Schwäne im langſamen majeſtätiſchen Lauf daher gezo⸗ gen kamen, und hinter ſich durch das Waſſer einen lan⸗ gen Silberſtreif zogen. Allmälig leuchteten glühendere Lichter durch die Bäume, die Sonne kam höher geſtie⸗ gen und machte das Waſſer des Teichs erglänzen und verklärte das Herbſtlaub der Bäume, in denen der Wind rauſchte und ſang. Und auch da drinnen in Ralph's Bruſt ward es lichter und heller. Er gedachte Eva's mit unendlicher Sehnſucht und Liebe, denn Liebe iſt ſo voll himmliſchen Glaubens, voll ſeliger Hoffnung, und leiſe flüſterte er: o wärſt Du jetzt bei mir, meine Ge⸗ liebte, bei mir an dieſem ſtillen, friedlichen Platze, o ich weiß, Du würdeſt dieſem lieblichen Naturfrieden, dieſer holden Ruhe nicht widerſtehen. O ich weiß, Du wür⸗ deſt Dein Haupt an uen legen, und würdeſt fühlen, daß es voch auf Erden kein anderes Glück giebt, als in Liebe, und daß Niemand auf Erden Dich ſo liebt,

als ich. O Eva, meine Geliebte, warum biſt Du nicht Eva. 1. Theil. 15