Und alles das für Eure alte Mutter, ſagte Mut⸗ ter Anna, recht ſo, mein Sohn, Ihr ſeid ein braver Menſch.
Ach, was will das ſagen, es war meine Pflicht, ſagte Karl einfach, und meine Mutter war eine ſo gute, brave Frau. Was ich gethan habe, das war nichts, und ich hätte gar nicht anders handeln koͤnnen, denn ich hatte täglich das Beiſpiel vor Augen, wie ein gutes Kind han⸗ deln ſoll und muß. Ach, was für ein Beiſpiel! Ihr hättet das Mädchen kennen ſollen, die mir gegenüber wohnte mit ihrer Mutter, mit welcher Engelsgeduld ſie Nacht und Tag ihre Mutter pflegte, für ſie arbeitete und ſich quälte, und von Morgens früh, ehe die Sonne
aufging, bis ſpät in die Nacht hinein ihre fleißigen wei⸗ ßen Hände rührte, nähete und ſtickte, um für ihre Mut⸗
ter Brod zu ſchaffen. Und was für eine Mutter war dies! Für meine gute alte Mutter zu arbeiten, das war wohl eine Freude und eine Luſt, denn ſie hatte mich
ſo lieb, und ſprach immer, als wenn ich etwas ganz
Außerordentliches an ihr thäte. Aber Sophiens Mut⸗
ter war eine böſe alte Frau; das gute, fleißige Maͤdchen
that ihr niemals genug, niemals war ſie zufrieden mit dem, was das junge ſchöne Mädchen doch ſo mühſam verdiente und ſo freudig für ſie hingab. Niemals hat die arme Sophie ein gutes Wort, einen Dank von ihr
bekommen, und doch klagte ſie niemals, blieb immer
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