Teil eines Werkes 
1. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

49

des Lebens Drangſal und Mühe auf dieſe breiten mus⸗ kulöſen Schultern zu nehmen. Seine Bewegungen hat⸗ ten leicht etwas Linkiſches und Ungeſchicktes, und als Eva ihn unwillkürlich mit dem neben ihm fitzenden Ralph verglich, dachte ſie: welch' ein Unterſchied iſt doch zwi⸗ ſchen den Beiden, und wie vornehm und ſchön ſieht Ralph neben dem häßlichen und ungeſchickten Menſchen aus! Aber Ralph iſt auch ein vornehmer reicher Mann und der iſt nur ein armer Briefträger.

Nun aber erzähle mir, Freund Karl, ſagte Ralph, wie es ſo gekommen, daß Du Deinen frühern Lebens⸗ plan aufgegeben haſt.

Wie das ſo kommt, ſagte Karl mit einem Ton, der in dem Beſtreben ſeine innere Rührung zu unter⸗ drücken, rauh und hart klang, wie das ſo kommt! Du weißt, ich wollte Maler werden, und ich wäre auch wohl ein tüchtiger Maler geworden, denn der liebe Gott hatte mir Talent und Geſchick dazu gegeben. Mein Vater war ein reicher Bürger in Potsdam, und er wollte, daß etwas Rechtes aus mir würde, ein Mann im Staate, wie er ſagte, und wenn ich ihn bat, mir den Willen zu thun und mich das werden zu laſſen, wozu ich ſo große Luſt hatte, ſo ſchalt er mich einen undankbaren Sohn und drohte mir mit ſeinem Fluch. Nun, ich dachte dar⸗ an, daß es eine Pflicht iſt, den Aeltern zu gehorchen,

und ſo fügte ich mich denn darein, meinen Lieblings⸗ Eva. 1. Theil. 4.