Teil eines Werkes 
1. Theil (1844)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

21

Wir werden uns ſchon immer beſſer verſtehen, ſagte 3 Mutter Anna gütig lächelnd, denn im Grunde denken wir ganz gleich und ehren die Armuth und Dürftigkeit als unſern Freund, der uns durch unſer ganzes Leben begleitet hat. Aber Ralph, als Du ſo viele ſchöne Sa⸗ chen für mich beſorgteſt, die ich nicht brauchen kann, haſt Du doch eins vergeſſen, was mir ganz nothwendig iſt, mein Spinnrad.

O, ſagte Ralph bittend, ich dächte, Mutter Anna, Du ließeſt das ſein und genöſſeſt endlich der wohlver⸗ dienten Ruhe. Es greift Dich an und Du haſt mir ſelbſt geſagt, daß Dir die Augen zuweilen weh' thun von dem Staub des Flachſes.

Was will mein Schwiegerſohn damit ſagen? fragte Mutter Anna ſtreng und ihre Augen blitzten in jugend⸗ lichem Feuer, als ſie hochaufgerichtet und ſtolz einen Schritt zurück trat und Ralph ihre Hand entzog. Ich ſoll nicht mehr arbeiten? Nun, und wovon ſoll ich denn leben? Oder meint ihr, daß ich ehrlos genug wäre, meine Hände müßig in den Schooß zu legen und mich füt⸗ tern zu laſſen? Kennt Ihr Mutter Anna ſo wenig, daß Ihr glaubt, ſie würde ein Gnadenbrot annehmen, während ſie noch Augen hat zu ſehen und Häͤnde ſich zu rühren? Ralph, Ralph, das thut mir wahrhaft weh, denn es iſt eine Mißachtung. Ich ſollte die Arbeit verlaſſen, die Arbeit, die das ganze Leben mein Troſt und mein Freund