20
das Alles behalten. In Armuth bin ich geboren und aufgewachſen, und unter Sorgen und Armuth habe ich gelebt; ſo ſind die Sorgen meine vertrauteſten Freunde und die Armuth iſt meine liebſte Geſellſchaft geworden. Wir verſtehen uns zuſammen, die Armuth und ich, und wiſſen, was wir an einander haben, aber dieſe ſchönen be⸗ quemen Dinger da, die verſtehe ich nicht und weiß gar nicht, was ich mit ihnen anfangen ſoll. Das iſt aber meine größte Freude und mein Stolz, Kinder, daß ich das nicht weiß. Denn das grade iſt ein Glück der ar⸗ men Leute, daß ſie ſo wenig Bedürfniſſe haben und daß ihnen alle dieſe Bequemlichkeiten und die Pracht der vor⸗ nehmen Leute nur wie überflüſſiger Plunder erſcheint, den ſie gar nicht haben mögen und nicht brauchen kön⸗ nen. Wir Armen ſteben darum auch freier und unab⸗ hängiger da, als alle die reichen Leute, denn wir brau⸗ chen ſo wenig, um zufrieden zu ſein und mit dem Stück⸗ chen Brot, das wir uns ſelber verdient, ſind wir glück⸗ licher, als die reichen Leute an ihrer üverladenen Ta⸗ fel.
Du biſt eine herrliche Frau, Mutter Anna, ſagte Ralph freudig und küßte ihre harte runzelige Hand mit der aufrichtigen Liebe eines Sohnes. Verzeihe mir, daß ich Dich nicht beſſer verſtanden habe, und grade in dem Wunſch Dir ein Vergnügen zu bereiten, das Richtige verfehlt habe.
—-——


