8
und Menſchenliebe. Haben Sie nicht mich, als ich vor drei Jahren krank und arm nach Berlin eingewandert kam, und zu meiner Empfehlung nichts hatte als mein Elend, denn auch mein Wanderbuch hatte ich verloren, haben Sie da nicht aus reinem Erbarmen mich aufge⸗ nommen und mir ein Kämmerlein eingeräumt und mich ſelber gepflegt? Damals habe ich mir geſchworen, Ihnen Ihr Erbarmen zu lohnen durch Dankbarkeit und Treue und Sie zu lieben, wie meinen Vater, denn, obwohl ich älter bin an Jahren, ſind Sie doch in allen Dingen mir überlegen und haben an mir gehandelt als wie Va⸗ ter. 4
Und meinen Sie, wir ſollten nicht dankbar ſein, ſagte der zweite Geſelle, wenn Sie immer ſo freundlich und liebevoll für unſer aller Wohl bedacht ſind? Ha⸗ ben Sie nicht meine arme blinde Mutter, als ich auf der Wanderſchaft war, gepflegt und gekleidet, als wäre ſie Ihre eigne Mutter, und haben ihr die Augen zuge⸗ drückt?
An mir aber haben Sie das Größte gethan, ſagte Anton, der dritte Geſelle, denn Sie haben mich von der Schande befreit; Sie waren es, der durch ſeine liebevol⸗ len Ermahnungen mich auf den Weg des Guten zurück⸗ führte. Ich war ein leichtſinniger wilder Burſche, als ich Ihr Lehrjunge ward, Meiſter Ralph. Ich beſlahl Sie, und als Sie den Diebſtahl entdeckten, da jagten
—


