Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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Ah, mein Vaterland iſt immer ſehr dankbar und ſehr freigebig gegen mich geweſen, rief Clairon mit einem bittern Lächeln,Frankreich hat mir ſehr viele Kronen dargebracht. Sehen Sie, dort ſind ſie, alle dieſe Kronen!

Sie deutete mit der Hand auf die Büſte Vol⸗ taire's hin, deren Fuß umgeben war von aufge⸗ häuften welken Lorbeerkränzen, von vergilbten At⸗ lasbändern, auf denen Verſe gedruckt waren, von verwelkten Bouquets und allerlei Druckſchriften und Zeitungsausſchnitten, welche ohne Zweifel glühende Lobrecenſionen für Clairon enthalten mochten.

Sehen Sie, fuhr ſie emphatiſch fort,dort liegen die Kronen der entthronten Königin. Ich habe alle dieſe Huldigungen, die man mir darge⸗ bracht, zu den Füßen Voltaire's niedergelegt, denn dem Meiſter verdankt die Schülerin ihre Erfolge.

Und mit einer letzten Kraftanſtrengung erhob ſich Clairon und begann mit mächtiger Stimme eine Ode zu recitiren, welche Voltaire einſt zu ihrem Lobe gedichtet, und in welcher er Clairon allein den Erfolg ſeines neuen Dramas zuſchrieb.

Dann ſank ſie laut ächzend und ſtöhnend in den Fauteuil nieder und lehnte, die Augen ſchließend,

ihr Haupt in die Polſter zurück, während die alte

Soubrette in lautes Klagen und Jammern ausbrach. Dem Secretär des Miniſters ward es unheim⸗ lich in der Nähe dieſer beiden Mumien eines b