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Herz, ſagte Clairon, ihre Hand auf das Haupt ihrer ſchluchzenden Kammerfrau legend.„Mein Herr, verzeihen Sie meiner guten Madame Senay ihre Erregung und ihren Kummer. Sie hat dreißig Jahre in meinen Dienſten geſtanden, ſie hat mit mir gelebt in den Tagen des Glanzes und ſie hat treulich bei mir ausgehalten in den Tagen der Armuth, als ich nichts mehr hatte, das ich mit ihr theilen konnte, nichts als meine Thränen! Weine nicht mehr, Senay, gönne es mir zu ſterben, mich aufzuſchwingen zu den Unſterblichen, die mich er⸗ warten. Ach, wie verlangt es mich nach einem Geſpräch mit meinem unſterblichen Freund Vol⸗ taire, wie ſehne ich mich Moliere und Baron zu begegnen.“
„Ich werde,“ fuhr Clairon fort,„ihnen traurige Kunde zu bringen haben, ich werde ihnen ſagen müſſen, daß es in Frankreich keine Kunſt und keine Künſtler mehr giebt. O, es iſt Zeit, daß Clairon ſich von der Welt erhebe, denn die Welt iſt Clai⸗ ron's nicht werth!“
„Aber ſie möchte ſich doch ſo viel als möglich gegen die große Clairon dankbar bezeigen,“ ſagte Menneval freundlich.„Se. Excellenz wünſcht nichts ſehnlicher, als Sie vor jedem Mangel zu behüten und Ihre Lebenstage von jeder unwürdigen Sorge zu befreien. Es ſoll nicht geſagt werden, daß Frankreich undankbar geweſen gegen die große Clairon.“ 8


