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damit ich ſehe, welcher Art die Unterſtützung iſt, deren Mademoiſelle Clairon bedarf.“
„So ſchauen Sie ſich um, da ſehen Sie,“ rief ſie emphatiſch.„Sehen Sie dies feuchte, verfal⸗ lene Landhaus, das Clairon's letzte Zuflucht iſt, und aus dem ſie, um zu leben, nach und nach das ganze Ameublement, ihr ganzes Hab und Gut verkauft hat. Sehen Sie die Oede, die Stille, welche Frankreichs größte Künſtlerin umgiebt. Sehen Sie Electra, Amenaide, Semiramis, ſehen Sie die Künſtlerin, welche von Voltaire beſungen, von Furoga verherrlicht ward, ſehen Sie ſie jetzt im Elend, in der Erniedrigung, vergeſſen von al⸗ ler Welt, bei Frankreich bettelnd um ein Stück Brod, das ſie vom Hungertod erretten ſoll! Denn ich ſage Ihnen, ich fühle mich ſterben, ich fühle das Nahen des Todes, der ſeine Hand nach mir ausſtreckt! Vielleicht, wenn Sie eine Stunde ſpäter gekommen wären, hätten Sie Clairon als Leiche gefunden.“
„O Mademoiſelle, meine theuere angebetete Mademoiſelle! ächzte und ſchluchzte die alte Sou⸗
brette, indem ſie hinter dem Lehnſtuhl hervorſtürzte
und neben Clairon niederkniete. Haben Sie Er⸗ barmen mit mir, ſprechen Sie nicht vom Tode, zerreißen Sie nicht mein armes, gemartertes Herz, das auf der Welt nichts liebt, als Clairon allein.“
„Es iſt wahr, Senay, Du biſt ein treues großes 11*


