Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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Mademoiſelle, ſagte Herr Menneval, ſich tief verneigend,der Herr Miniſter Chaptal ſendet mich zu Ihnen.

Thut er das? rief ſie, das Haupt ſtolz zurückwerfend.Erinnert er ſich endlich daran, daß die Muſe Frankreichs ſo weit ſich hat demü⸗ thigen müſſen, um Frankreichs Hülfe anzurufen, damit ſie nicht verhungert. Aber warum hat der Miniſter Chaptal ſich nicht ſelbſt hieher bemüht? Er hätte ſich dann mit eigenen Augen von der Güte des Aſyls überzeugen können, das der Idomené, Semiramis und Electra geblieben iſt!

Und wie ſie ſo ſprach, erhob ſie langſam und ſtolz den Arm, und deutete auf eine Stelle im Plafond, durch welche der Regen in einzelnen Tropfen niederſiel.

Schauen Sie, fuhr ſie mit erhobenem Pathos fort,das iſt das troſtloſe Ende eines ruhmgekrönten Daſeins! Clairon, die Muſe des vorigen Jahrhunderts, Clairon, der eine Welt zu Füßen lag, Clairon muß bei Frankreich betteln gehen um ein Stück Brod, damit ſie Frankreich nicht die Schmach aufbürde, daß man von ihm ſagen muß: das undankbare Frankreich ließ ſeine große Clairon verhungern.

Der Miniſter Chaptal fühlte ſich deshalb auch mächtig ergriffen von dem Schreiben, das Sie an ihn richteten, Mademoiſelle, ſagte Menneval mit ichtsvoller Freundlichkeit,und er ſendet mich,