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Schultern geſchlungen. Unter demſelben trug ſie eine Art von Tunika, deren Rand mit einer Guirlande von künſtlichen Lorbeerblättern eingefaßt war, und gleich dieſer war auch das weiße faltige Gewand, das unter der Tunika hervorquoll und bis auf die Füße niederfiel, mit Lorbeerzweigen beſetzt. Seitwärts neben ihr befand ſich ein gro⸗ ßer runder Tiſch mit Büchern beladen, auf den ſie ihre linke Hand von untadelhafter Weiße und Schönheit aufgeſtützt hatte. Ihr gegenüber an der Wand ſtand eine Kommode, auf welcher ſich zwei Büſten befanden, eine in weißem pari⸗ ſchen Marmor ausgeführte Büſte Voltaire's und eine faſt ebenſo ſchöne Büſte Lekain's; mehrere andere Büſten und Porträts waren ringsum an den Wänden angebracht, die mit einer ſchlechten Tapete bekleidet waren, welche von der Feuchtig⸗ keit verſtockt hier und da in Fetzen herabhing. Nur wenige alte, halb verfallene Meubles befan⸗ den ſich in dieſem Gemach, deſſen Oede und Troſt⸗ loſigkeit einen peinlichen, herzerſchütternden Ein⸗ druck machte.
Als die alte Dame, welche in dem Fauteuil gleich einer Königin thronte, des eintretenden Herrn anſichtig ward, zog ſie wie im zornigen Unwillen ihre Augenbrauen zuſammen und preßte ihre Lippen feſt aufeinander, als wolle ſie das zürnende Wort zurückdrängen, das ſchon auf ihre Lippe ſchwebte.
Mademoiſelle Clairon. 11


