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vergeſſen, daß wir in der Republik leben und daß der Adel aufgehoben iſt.“
„Mein Herr, der wirkliche Adel kann niemals aufgehoben werden, denn er iſt unſterblich,“ ſagte die Soubrette mit einem ſtolzen Achſelzucken. „Treten Sie ein!“
Menneval folgte ihrer Einladung us ber ſchritt jetzt die Schwelle zu dem nächſten Gemach. Die alte Soubrette folgte ihm, ſchloß leiſe hinter ihm die Thür, und ſtellte ſich dann hinter dem in der Mitte des Zimmers ſtehenden Fau⸗ teuil auf.
In dieſem Fauteuil ſaß eine Dame, älter vielleicht noch als ihre Soubrette, aber trotz ihres Alters und ihrer Umgebung von wunderbar im⸗ ponirendem Aeußern. Sie mußte in ihrer Jugend eine edle ſtolze Geſtalt gehabt haben, denn noch jetzt überraſchte ſie durch die ſchönen und reinen Formen derſelben. Ihre weißen, ungepuderten Haare waren hinterwärts nach griechiſcher Art zu⸗ ſammengeknotet und bildeten über der edlen hohen Stirn eine Art Toupet, ihre dunkeln Augen, be⸗ ſchattet von fein geſchweiften ſtolzen Augenbrauen, waren lebhaft und feurig und verriethen nichts von dem Alter, das die Runzeln auf Stirn und Wan⸗ gen makkirt hatten. Ihre Toilette war ebenſo ſeltſam, wie die ihrer alten Soubrette.
Ein leichtes Mäntelchen von weißem Muſſelin war nach Art eines antiken Mantels um ihre


