jetzt dar in einem Coſtüm, wie ſie damals die Soubretten auf der Bühne zu tragen pflegten, nur daß ihr Haupt von einem römiſchen Turban umgeben war, und daß ſie ſtatt des Mantels eine verblaßte, hier und da zerriſſene griechiſche Tunika über ihre Schultern geworfen hatte. Aber das kurze mit Band verzierte Kleid, das weiße faconnirte Muſſelinſchürzchen, das an den Ta⸗ ſchen mit roſa Bandſchleifen garnirt war, verrieth die klaſſiſche Soubrette früherer Tage und mochte vor ſechzig Jahren Moliere's Cleantis angehört haben. Die alte achtzigjährige Soubrette hatte jetzt endlich das Gitterthor erreicht und ihre ſchwarzen trüben Augen auf den Fremden heftend, fragte ſie mit matter Stimme nach ſeinem Begehr.
„Ich bin der Secretär des Miniſters Chaptal,“ ſagte der Herr mit gewichtigem Tone,„und ich komme—“.
„Ich weiß, ich weiß,“ rief die Alte freudig, indem ſie ſich beeilte, das Gitterthor zu öffnen. „Treten Sie ein, mein Herr. Mademoiſelle wird ſehr glücklich ſein, Sie zu ſehen. Kommen Sie, mein Herr!“ E
Sie ſchritt rüſtig vor dem Fremden einher; während ſie mit dem ledernen Riemen, den ſie in der Hand hielt, zuweilen die allzu zudringlichen Hunde mit einem geſchickt geführten Hieb abwehrte, ſagte ſie keuchend und hüſtelnd:„Ach, wie wird


