Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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bedeutet dies Alles? Warum ſchreibt er mir, ſtatt

ſelbſt zu kommen. Warum Wie ſie jetzt ihre Blicke auf den Brief heftete, ſtieß ſie einen Schrei aus, und ihre Züge nahmen den Ausdruck des Entſetzens an.

Nein, rief ſie,nein, es iſt unmöglich, es kann nicht ſein, meine Sinne verwirren ſich, die Buchſtaben hüpfen vor meinen Augen. Ich will

noch einmal leſen! Eben rollte ein Wagen mit donnerndem Geräuſch von dem Hofe fort. Clairon achtete nicht darauf. Sie hob wieder die Hand mit dem Briefe empor, und halblaut, als wolle ſie ſich nicht blos mit den Augen, ſondern auch mit dem Gehör von dem Inhalt des Briefes überzeugen, las ſie:Theuerſte Clairon! Sie ha⸗

ben recht, ich bin ein Undankbarer, der Ihrer Freundſchaft nicht mehr würdig iſt, der alle die Vorwürfe verdient, welche Sie mit junoniſchem Zorn auf ſein Haupt niederſchleudern. Die har⸗ ten Vorwürfe, welche Ihr Brief enthält, haben mich zerſchmettert, und im vollen Schuldbewußtſein wage ich nicht mehr Ihnen gegenüber zu treten. Ja, ich habe Sie getäuſcht, ich habe mich nicht begnügen laſſen an Ihrer edlen und ſchönen Freundſchaft, ſondern ich bedurfte zu meinem Glück* auch noch der Liebe eines jungen und edlen Wei⸗ bes. Zürnen Sie mir, aber verdammen Sie mich nicht. Empfangen Sie anbei die Geſchenke zurück, die ich Ihnen, meine Freundin, in ſchöneren Ta⸗