Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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zähle auf Ihre Güte und Ihren Beiſtand, ſagte ſie, indem ſie durch die Reihen ihrer Bewunderer dahin ſchritt, und ſich wieder ihrem Boudoir näherte.

Dies war der große, entſcheidende Moment, auf den Alle gewartet hatten, und deshalb dräng⸗ ten alle Cavaliere ungeduldig vorwärts, der Thuͤr des Boudoirs zu. Denn, wenn Clairon dieſen großen Staatsempfang beendet hatte, wenn ſie wieder zurückgetreten war in das Boudoir, dann hörte ſie auf Königin zu ſein, dann ließ ſie ihre hohen Alluren und ihr unnahbares Weſen in dem Empfangsſaal zurück, und da drinnen in ihrem Boudoir, da war ſie alsdann die bezaubernde Künſtlerin voll Geiſt und Laune, voll Bosheit und Witz, da geſtattete ſie den Verehrern den glühen⸗ den Ausdruck ihrer Gefühle, hörte ſie ihren heißen Liebesgeſtändniſſen zu, und erlaubte es, um ihre Gunſt zu werben, ſei es mit Worten oder mit Geſchenken.

Nach dieſer Thür des Boudoirs drängten da⸗ her alle die Cavaliere, Jeder wollte der Erſte ſein, der hinter Clairon in daſſelbe eintreten durfte, denn nur Einem zur Zeit war der Eintritt in das Allerheiligſte geſtattet, obwohl die Thüren zu dem Boudoir weit geöffnet, die Portièren zurückgeſchla⸗ gen blieben und Jedermann Clairon ſehen konnte, wie ſie da drüben, der offenen Thüre gerade gegenüber, auf der prachtvollen goldgeſtickten Otto⸗ mane ſaß und ihr gegenüber auf dem Fauteuil,