Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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dem Salon den Rücken zugekehrt, derjenige glück⸗ liche Sterbliche, der eben den Vorzug einer Privat⸗ Audienz genoß. Denn dieſe Unterredungen im Boudoir waren gleich den Privat⸗Audienzen der Königinnen, die ſie im Beiſein ihres ganzen Hofes den einzelnen Begünſtigten ertheilen, und welche daher Niemand durch unbefugte Annäherung zu ſtören wagt.

Heute indeßda ein Prinz, da der Freund des Königs Ludwig des Vielgeliebten in dem Salon der Künſtlerin ſich befand, heute war das Wogen und Drängen der Cavaliere minder ungeſtüm, und da man ſah, daß der Prinz Sonybiſe, der nicht blos der Freund des Königs, ſondern auch der Günſtling der Marquiſe Pompadour war, ſich der Thür des Boudoirs zu nähern ſuchte, wichen die Cavaliere ehrfurchtsvoll zurück und gaben dem Prinzen Raum. 4

Er dankte es den Cavalieren mit einem lächeln⸗ den Gruß ſeines Hauptes und trat dicht hinter Clairon in das Boudoir ein.

Wiſſen Sie, ma toute belle, ſagte er, in⸗ dem er ſich mit vornehmer Nachläſſigkeit, und ohne Clairon's Erlaubniß abzuwarten, in den Fauteuil niedergleiten ließ,wiſſen Sie, daß Sie heute von einer wahrhaft dämoniſchen Schönheit ſind? Bei Gott, wenn man Sie anſchaut, ſollte man meinen, ſich nicht mehr in der Reſidenz des Allerchriſtlich⸗

ſten Königs von Fraͤnkreich zu befinden, ſondern