Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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ſie vielmehr einzuweihen in die erhabenen Myſte⸗ rien des heutigen Abends.

Allein Clairon ſchüttelte in ſtolzer Ruhe ihr Haupt.Ich will ganz Paris überraſchen, alſo auch Sie, meine Herren Cavaliere, ſagte ſie mit der Würde einer Königin, dann aber vergaß ſie doch einen Moment ihre erhabene Rolle, und mit der ganzen Coquetterie einer Schauſpielerin ſich

lächelnd nach allen Seiten neigend, fuhr ſie fort: ich rechne heute Abend auf Ihre Protection und Ihre Freundſchaft, meine Herren! Sie werden es nicht dulden, daß meine Feinde mich beſchimpfen und mir meinen Triumph trüben.

Ich werde meine Spione im Parterre haben, rief der Marquis de Latude,und den Erſten, der es wagt, zu ziſchen, den laſſe ich von meinen Be⸗ dienten hinauswerfen und durchprügeln.

Der Donner unſeres Applaudiſſements wird jeden boshaften Mißlaut Ihrer elenden Feinde übertönen, ſagte der Graf Beſancon emphatiſch.

In ganz Paris giebt es heute Abend keine Blumen mehr, rief der Vicomte Maubouge,ich habe ſie alle aufgekauft, um damit unſere Muſe zu begrüßen, wenn ſie in den Entreacts unſern ſehnſuchtsvollen Rufen folgen und erſcheinen muß, um unſere Huldigungen zu empfangen.

Clairon horchte auf alle Lieſe Betheuerungen mit einem ruhigen ſanften Lächeln, und der ſonſt ſo feurige Blick ihrer Augen ward milder.Ich