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umgab und zu beiden Seiten des Hauptes nieder⸗ hing. Und zu dieſem prachtvollen, wahrhaft könig⸗ lichen Anzug paßte das Antlitz Clairon's ganz voll⸗
kommen, denn es war auch ein wahrhaft könig⸗ liches.
Dieſe breite hohe Stirn war umfloſſen von Majeſtät und Hoheit, dieſe großen ſchwarzen Augen voll edlen Feuers ſchienen nur für die Leidenſchaft, den Stolz, den Zorn und die Erhabenheit, aber niemals für ſanftere Gefühle Blicke zu haben; dieſe edle, leichtgebogene feine Naſe erinnerte an die
Pantratis e römiſchen Kaiſerin Julia, und gab
ihrem Antlitz Würde und Hoheit; dieſer kleine
Mund mit den purpurrothen, feingeſchwungenen
Lippen war ſtets umſpielt von einem halb verächt⸗ lichen, halb ſpöttiſchen Lächeln, das aber zuweilen ſich verklärte zu einer wunderbaren Lieblichkeit und Milde, und dann Jeden, den es anſtrahlte, wie eine ſeltene Gunſtbezeugung mit Freude und Glück erfüllte. Dieſes ſchöne, edle Oval ihres Ange⸗ ſichts hätte dem Phidias ſelbſt zu dem Antlitz einer Juno als Vorbild dienen können, und juno⸗ niſch war die ſtolze Haltung ihres Hauptes, war die hohe prachtvolle Geſtalt, deren edle, wahrhaft ſchöne Formen eine keuſche Strenge, eine züchtige Sittſamkeit hatten.
So war Hippolyte Clairon, die große Schauſpie⸗
lerin des Theatre francais, ſo war die Göttin, die da
jetzt eben in der Thür ihres Boudoirs vor den entzück⸗


