Teil eines Werkes 
16. Theil (1861) Mademoiselle Clairon : oder Vier Tage aus dem Leben einer Schauspielerin / von L. Mühlbach
Entstehung
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ſonne ihren erwartungsvollen Bewunderern zu leuch⸗ ten. Sie weilte noch immer in dem Cabinet da drüben, nach deſſen verſchloſſener Pforte die ſehn⸗ ſuchtsvollen flammenden Blicke aller Cavaliere ge⸗ richtet waren.

Aber endlich jetzt thaten ſich dieſe Pforten auf, und eine allgemeine freudige Bewegung entſtand. Jedermann drängte vorwärts, denn da drüben in der geöffneten Pforte, da ſtand ſie, da ſtand Hippo⸗ lyte Clairon. Wie eine Königin des Morgenlan⸗ des war ſie anzuſchauen in dieſem wundegharen phan⸗ taſtiſchen Anzug, den ſie ihr Negligé nann te, und deſſen Reich ſthum und Pracht jeder Königin würdig ge⸗ weſen wäre. Ein weites langes Gewand von goldgeſticktem Atlas floß in ſchweren Falten über ihre ſchöne ſtolze Geſtalt nieder bis auf die Füße, die in weißen Atlaspantoffeln ſteckten, welche mit ech ten Perlen und Rubinen geſtickt waren. Ein breiter goldener Gürtel, mit Rubinen und Brillanten aus⸗ gelegt, hielt das weite Gewand um die Taille zu⸗ ſammen, die weiten offenen Aermel ließen ihre wundervoll geformten Arme frei, und ließen die goldenen, von Brillanten funkelnden Spangen ſehen, welche dieſelben zierten. Ihr Haar, aufgelöſt und noch ungepudert, hing in kunſtloſen, wirren ſchwar⸗ zen Locken über ihren Nacken und zu beiden Sei⸗ ten ihrer Wangen nieder, und ward nur leicht von der goldenen Binde zufammengehalten, die nach Art der Römexinnen des Aiteriſans de Stirn