Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 3. Band (1860)
Entstehung
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O ſagen Sie! fragte die Baronin zitternd, gedachte ſie mein, als ſie ſtarb? Verdammte ſie mich, zürnte ſie mir?!

Wie wenig haben Sie Ihre Tochter gekannt! ſagte Edmund mit mitleidigem Lächeln;wie we⸗ nig dieſe erhabene, göttliche Seele verſtanden! Nein, ſie zürnte Ihnen nicht; verſöhnend und ſegnend, wie ſie lebte, ſtarb ſie! Ja, Madame! ſie nannte ſich glücklich; ſelbſt inmitten des Elendes und der Noth nannte ſie ſich glücklich, pries ſie ihr Geſchick. O, meine Camilla!

Seine mühſam errungene Ruhe war gebrochen; er warf ſich über die Leiche hin, bedeckte dieſen kalten Mund, der keinen ſeiner Küſſe mehr er⸗ wiedern konnte, mit Küſſen, und ſeine Thränen befeuchteten dies kalte, bleiche Antlitz, das für ihn ſtets der Inbegriff aller Schönheit und Lieblichkeit geweſen.

Die Baronin ſtand von fern und nie gekannte Gefühle regten ſich in ihr; Gefühle, welche die kalte Welt⸗Dame ſchaudern machten, ihre Seele niederdrückten und beſchämten.

Sie empfand ihre Bruſt belaſtet von einer Pein, die ſie zu erſticken drohete; und wie ſie auf die ſtille, ſchöne Leiche blickte, da war es ihr, als richtete dieſe ſich auf, ihr mit drohendem Aus⸗ drucke von dannen winkend..

Die Baronin konnte es nicht ertragen; ſie ſtürzte fort aus der Kammer, angſtvoll und be⸗