Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 3. Band (1860)
Entstehung
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trägt;kommen Sie und ſehen Sie die irdiſche Hülle eines Engels an, der aus dem Elende dieſer Erde in ſeine Heimath geflohen iſt! Unwillkürlich trat die Baronin näher. Ed⸗ mund nahm den Schleier von der Leiche: da lag ſie, ſelbſt im Tode noch von rührender, zarter Schönheit; gleich einer Schlummernden, die von lieblichen Träumen umgaukelt iſt, lag ſie da. Ihre ſchlanken, durchſichtigen Hände auf der Bruſt gefaltet, und mit dem Wiederſcheine jenes ſeligen Lächelns in ihren Zügen, mit welchem ſie geſtorben war. Duftende Frühlingsblumen ſchmückten den Sarg in dichter Fülle, daß es ſchien, als ruhe die Schlafende auf einem Bette von Blumen, die ge⸗ knickte Roſe unter ihren Schweſtern.

Keine einzige Blume konnte ich auf ihren Pfad ſtreuen! ſagte Edmund in dumpfem Ton; aber ihre Bahre kann ich damit ſchmücken!

Todt! auf ewig verloren! ächzte die Ba⸗ ronin, die bei dem Anblicke der Todten die Vor⸗ würfe ihres Gewiſſens erwachen fühlte.O, meine Tochter! meine Camilla!

Sie wollte ſich über die Leiche neigen; Edmund wehrte ſie zurück.

Nein, Madame! Sie dürfen ſie nicht berühren; auch ihre irdiſche Hülle iſt heilig. Herzlos und grauſam, wie Sie dieſem Engel gegenüber wa⸗ ren, ſind Sie unwürdig, dieſe heilige Leiche zu berühren! 15