Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 2. Band (1860)
Entstehung
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trat Lilly ihr zwar bleich und mit matten Augen, aber lächelnd entgegen, und zeigte ganz ihre ge⸗ wohnte Ruhe und Sanftmuth. Ueber dem Tiſch⸗ chen aber, vor dem Lilly, mit ihren Arbeiten be⸗ ſchäftigt, zu ſitzen pflegte, hing ein Papier an der Wand, worauf mit großen Buchſtaben geſchrieben ſtand:Wir werden uns wiederſehen, darum weine nicht!

Lilly hatte dieſe Morgenſtunden damit hinge⸗ bracht, ſich dieſe Worte in ſchönen und kunſtvollen Lettern aufzuzeichnen, und wenn in der nächſtfol⸗ genden Zeit ihr kleines Herz ſchwer war von Kum⸗ mer, wenn ſie meinte, dieſes Trennungsweh nicht

überwinden zu können, dann richteten ſich ihre

Augen, gleichſam Troſt flehend, auf dieſe Worte, und eingedenk, daß er ſie ihr geſprochen, drängte ſie ihre Thränen zurück, und ſuchte heiter zu ſei. Und welche köſtliche Freude war es, wenn Edgin

in der Folge ihr ſchrieb; wie oft, wie oft küßte

ſie das Papier, das ſeine Hand berührt hatte,

las ſie die Worte, die ſeine Hand geſchrieben, und fühlte ſich ihm nahe in glücklicher Träumerei.

So in der Hoffnung des Wiederſehens gingen lange Jahre dahin, und in denſelben erblühte Lilly zu einer ſchönen, lieblichen Jungfrau.

Als Edgin Blackwell ſich von Lilly an jenem Abende getrennt hatte, begab er ſich ſogleich auf den Weg zu des alten Carlis Wohnung.

Er hatte mit Harrick verabredet, ſich vor der

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