Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 2. Band (1860)
Entstehung
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erſt nach geraumer Zeit, und ein Strom von Thrä⸗ nen entſtürzte ihren Augen.

Die Lehrerin, durch Edgin von ſeiner Abreiſe unterrichtet, ſuchte ſie zu tröſten und zu beruhigen; aber alle ihre Bemühungen waren umſonſt, Lilly weinte und ſchluchzte laut.

Sie bat, ſie allein zu laſſen, damit ſie den Brief, den ſie noch immer in ihrer Hand hielt, noch einmal leſen könne, und man willfahrete ihrem Wunſche. Unter ſtrömenden Thränen leiſe ächzend las ſie nun Edgins Abſchiedsworte, die voll der

heißeſten, glühendſten Liebe waren.

Wenn Du mich liebſt, Lilly, und mein in⸗ nigſtes Flehen erhören willſt(las ſie jetzt), ſo wirſt Du Dich gefaßt und muthig zeigen, wirſt Deinen Thränen gebieten, nicht hervorzubrechen, wirſt Dich überwinden, nicht traurig zu ſein, ſon⸗ dern gleich mir, mit freudiger Hoffnung der Zeit entgegenharren, wo wir uns wiederſehen. Und wir werden uns wiederſehen! Dies fühle ich, dies weiß ich! Lilly, theures, geliebtes Kind, weine nicht, ich beſchwöre Dich darum, weine nicht, wir werden uns wiederſehen! Ich kehre ſicherlich 8 zu Dir zurück, darum weine nicht!

Und ſofort ſtillte Lilly ihre Thränen, und ſuchte gefaßt zu ſein.

Als die Lehrerin am andern Mittag in Lillys Zimmer kam, denn man hatte ihr für dieſen Morgen völlige Einſamkeit und Freiheit zugeſagt,