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Aſyl der Ruhe und des Friedens bleiben, ſie ſollte ihn nimmer anders ſehen, als ſo, wie er war, wenn er bei ihr war.
Auch ihre Erziehung mußte vollendet werden, und dies konnte nirgend ſo geſchehen, wie ge⸗ rade hier. 3
Edgin liebte ſeine Lilly ſtark genug, um ſofort ſeinen eigenſüchtigen Wünſchen entſagen zu können. Er erhob ſich von ſeinen Knien, und Lilly noch einmal in ſeine Arme nehmend, blickte er ſie lange und innig an.
Welch ein wunderbarer Ausdruck war in die⸗ ſem lieblichen Angeſicht.
Edgins ſtürmiſche Zärtlichkeit ließ ſie tief er⸗ röthen, und indem ſie ihr ganzes Herz mit Wonne erfüllte, ſtrahlten ihre Augen in einem faſt über⸗ irdiſchen Glanz, und ihre dunkelrothen, ſanft ge⸗ ſchwellten Lippen uniſpielte ein Lächeln voll Selig⸗ keit und Frieden zugleich. Edgin erinnerte ſich
jetzt erſt, daß er in einem langen Briefe von Lilly
Abſchied genommen, und dieſen mitgebracht habe. Er übergab ihn ihr jetzt, und dann, ohne ſie noch einmal anzublicken, eilte er von dannen.
Als die Lehrerin nach einiger Zeit in Lillys Zimmer kam, fand ſie ſie lang ausgeſtreckt um Boden liegen in todtenähnlicher Ohnmacht, den geöffneten Brief feſt in ihre Hand gepreßt.
Man brachte ſie auf ihr Bett, und rieb ihre Schläfe mit ſtärkenden Eſſenzen; ſie erholte ſich
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Bonners. II.


