Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 2. Band (1860)
Entstehung
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Ein ſeltſames Gefühl der Reue überkam ihn, eine Ahnung, als werde Iſabella ihm nimmer das ſein, was Lilly, das elfjährige Kind, ihm jetzt ſchon war. Leidenſchaft und Liebe hatte ihn trach⸗ ten laſſen nach Iſabellens Beſitz, und wie er jetzt dieſe holde, zarte Geſtalt, halb Kind, halb Jung⸗ frau in ſeinen Armen hielt, fühlte er tief, wie viel reiner und geiſtiger, wie viel mächtiger und unvergänglicher dieſe Liebe ſei, die ihn an das Kind feſſelte, als die, welche ihn mit Iſabellen verbunden!

Aber er wußte auch, daß ein Rücktritt nicht mehr möglich, und ſeufzend ließ er das liebliche Kind aus ſeinen Armen, um ſchnell das Zimmer zu verlaſſen.

An der Thür wandte er ſich noch einmal um, und wie er ſie bleich und zitternd, mit gefalteten Händen daſtehen ſah, ſchwand alle ſeine. Kraft.

4 Er kehrte zurück, er ſtürzte vor ihr nieder, ihre Füße, ihr Gewand zu küſſen, und ſie mit tauſend zärtlichen Namen zu rufen, von denen die arme Lilly nichts vernahm. Es war ihm, als würde er ſie nimmer wiederſehen, und mit bit⸗ teren Selbſtvorwürfen gedachte er der Stunde, in welcher er gelobt, ſie nimmer zu verlaſſen. Einen Augenblick dachte er daran, ſie mitzu⸗

nehmen, aber er ſchauderte vor dem Gedanken,

das unſchuldige, reine Kind in eine Welt zu füh⸗ ren, deren Sündhaftigkeit und Verderbtheit ihr ewig fern bleiben ſollte. Sie mußte in dieſem