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den Erinnerungen und Freuden, welche Kindern und Aeltern gemeinſam ſind.
Und wie ſollte Santoͤme Liebe empfunden ha⸗ ben gegen Einen, deſſen Daſein ihm von früheſter Jugend an Schrecken und Furcht eingeflößt? Deſſen Augen er nimmer mit ſolcher Freundlichkeit auf ſich geheftet ſah, wie auf todte Schätze, der nim⸗ mer ihm ſo gelächelt, wie er es den blinkenden Goldſtücken gethan?
Wie ſollte er Liebe empfunden haben gegen Einen, deſſen Geiz ihn den Seinigen entfremdet hatte? Der des Knaben Mutter, ſie, deren Lächeln und Liebesblicke, deren holde und freundliche Stimme der Sohn noch im treueſten Gedächtniß bewahrte, der dieſe ohne Thräne hatte hinſterben ſehen, und ſein Geld und ſeine Schätze zählend, ſeine Kinder hungern ließ?
Das Geld hatte ſich trennend zwiſchen Vater und Kind geſtellt, und die Stimme der Natur unterdrückend hatte es Beide einander entfremdet.
Als ein Knabe von zehn Jahren, in einem Anfalle kindiſcher Verzweiflung hatte Santöme ſeines Vaters Haus verlaſſen. Heimlich, und ohne irgend Jemand ſeinen Plan zu verrathen, hatte er
ſeine wenigen Kleidungsſtücke zuſammengerafft und
Haus verlaſſen, in dem zu leben dem mu⸗
thigen, fröhlichen Knaben unmöglich däuchte. Wie er die Pforte, die er heimlich verließ, hinter ſich ſchloß, wie er mit ſeinem Bündelchen unter dem


