Teil eines Werkes 
7. Theil, Bonners oder Geschichte eines Millionärs : 2. Band (1860)
Entstehung
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Wochen ſeines Aufenthalts in der franzöſiſchen

Hauptſtadt genügten, ihn wieder zu jenem lebens⸗

frohen, unbefangenen Menſchen zu machen, der er vorher geweſen.

Und wie ſollte er auch einen tiefen Kummer haben empfinden können um das Hinſterben deſſen, der nur durch einen Zufall der Geburt ſein Vater geweſen, an den ihn keine Bande der Dankbarkeit, des Gehorſams, der Unterwürfigkeit gefeſſelt? Dem er nichts zu verdanken, als das Leben, ein Leben, das nicht durch ſeinen Vater geordnet und geleitet, nicht durch dieſen ſeiner Beſtimmung zu⸗ geführt worden? Wie ſollte er Liebe empfinden gegen Einen, den er kaum gekannt?

Es giebt eine alte Mythe, die ſich forterbt von Geſchlecht zu Geſchlecht und als eine rührende Fabel uns heilig ſein ſoll, aber immer nur eine Fabel iſt, die da heißt: die Stimme der Na⸗ tur. Und dieſer zufolge ſollen Kinder ihre Ael⸗ tern lieben, wenn ſie dieſe auch nimmer ſahen, nimmer von ihnen Beweiſe der Liebe empfingen? Dann wäre die Liebe ſelber nur ein Inſtinct, und unſere Dankbarkeit gegen diejenigen, denen wir das Leben verdanken, ein roher Naturtrieb! Sie iſt aber mehr; die Stimme der Natur ſchweigt, wenn

nicht das Herz und die Seele zu ſprechen maß

von empfangener Liebe und genoſſenen Wohlthaten, von ermunterndem Beiſpiele und erweckender Lehre, von all dieſen ſüßen und holden Vertranlichkeiten,