Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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V

bei der Baronin, eine gerichtliche Unterſuchung gegen ihn eingeleitet werden konnte, ward ihm von einem hohen Gönner der freundſchaftliche Rath gegeben, eine Erholungsreiſe anzutreten, die ihn auf einige Jahre aus Berlin entfernen möchte. Gotthold hat dieſen Gedanken mit Eifer ergriffen, weil, wie er ſagte, derunchriſtliche Sinn der Einwohner Ber⸗ lins ſein frommes Herz mit tiefer Betrübniß und gerechtem Abſcheu erfülle, und weil er verzage an ihrer Seele und ihrer Heilsberufung. Er iſt nach Amerika gereiſt und bekehrt dort die Heiden. Gott ſei mit ihnen!

Der Baron Hermfeld hat die ihn ſehr bedrückende Maske der Frömmigkeit nicht lange bewahren kön⸗ nen. Bei einem gewaltſamen Einbruch, den er mit mehreren ſeiner Freunde unternahm, ward er mit ihnen ergriffen. Einer der Diebe, der ſich mit wil⸗ der Wuth gegen die ihn verfolgenden Polizeibeamten wehren wollte und einen derſelben mit ſeinem Meſſer verwundete, ward in der Hitze des Gefechtes von dem Säbel eines Gensd'armen durchrannt. Er ſtarb auf der Stelle. Die Andern wurden ergriffen und ſind auf viele Jahre in Spandau auf dem Zuchthauſe.

Den Körper des Erſtochenen ſtellte man in der auf dem Hofe der neuen Charitsé erbauten Morgue aus. Er war erſt wenige Stunden dort, als ein Greis über den Hof ging, um den berühmten Doc⸗ tor A., welcher in der neuen Charité war, aufzu⸗ ſuchen und ſich ihm, wie er dies alle Wochen regel⸗ mäßig zu thun gewohnt war, als ein noch Lebender zu zeigen. Dieſer Greis war der alte Weber Schmidt, welcher trotz der flehentlichen Bitten ſeiner beiden Säöhne ſich nicht hat entſchließen wollen, ihnen nach Schleſien in ihre neue Heimath zu folgen. An Ber⸗ lin feſſelte ihn das Einzige, was er liebte, was ihn