Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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der letzten Zeit hat man ihn weniger am Webeſtuhl

und auf dem Acker geſehen, das macht, Louiſens kleine Tochter iſt ſein ganzer Liebling geworden, und mit ihr ſpielt er ſtundenlang, er trägt ſie umher und ſingt ihr vor, Jedem Andern würde Lude's Geſang vielleicht entſetzlich klingen, das Kind iſt noch nicht verwöhnt, und es lächelt ſehr vergnügt zu Lude's Singſang. Uebrigens wird man begreifen, warum Lude die Kleine ſo liebt, ſie haben ſie, um ihm eine Freude zu machen, Amintha genannt, und wenn Lude das Kind recht lange angeſehen, dann will es ihn immer bedünken, als ob ſie ihn anblicke mit den Augen jener Amintha, welche in ſeinem Herzen niemals geſtorben iſt, und die er immer ſeinen En⸗ gel nennt.

Von dem Gute der Baronin ſchlängelt ſich ein anmuthiger, ſchattiger Gang bis dicht zu dem ſchö⸗ nen Landſitz, auf welchem Adalbert und Emmy leben, weiterhin liegt ein ſchönes Dorf mit ungewöhnlich ſtattlichen Gebäuden, das iſt das Dorf, deſſen Guts⸗ herrſchaft ſie ſind. Da ſind ganz maſſive Scheunen aufgeführt, in welchen die Dorfbewohner ihren Vor⸗ rath an Korn und Früchten aufbewahren, in großen Ställen, dicht neben dem Vieh der Herrſchaft, ſteht das Vieh ſeiner Dörfler; ſie arbeiten nicht bei ihm um Tagelohn, ſondern ſie haben einen Antheil an dem Ertrag der ganzen Beſitzung, und deshalb ar⸗ beiten ſie freu diger und regſamer, denn der Gedanke erhebt ſie, daß ſie keine bezahlten Tagelöhner ſind, ſondern gewiſſermaßen Mitbeſitzer der Herrſchaft.

Amalie iſt ihres Eduard's glückliche Gattin ge⸗ worden. Sie leben ein ſtilles, ſeliges Liebesleben,

das durch keinen Gedanken an die Vergangenheit ver⸗ düſtert wird, und das Gotthold ihnen nicht mehr zu trüben vermag. Bevor noch, in Folge jener Scene