— 282—
an das Leben knüpfte, ſein Sohn Chriſtian.— Er hatte ihn viele, viele Wochen lang nicht geſehen, und der bittere nagende Gram vergrößerte nur ſein ſchmerz⸗ volles und beängſtigendes Herzleiden, zur großen Zufriedenheit des berühmten Arztes, der mit der leb⸗ hafteſten und freudigſten Theilnahme das Wachſen dieſes fortſchreitenden neuen Krankheitsorganismus beobachtete, und den Greis, ſo oft er ihn ſah, zur Ruhe und Geduld ermahnte, damit ja kein Schlag⸗ fluß das Wachſen dieſer Blüthe vorzeitig zerſtöre.—
Als der alte Weber über den Charitéhof ging,
ftel ſein Auge von ungefähr auf dieſes neue grauſige Gebäude, in welchem, wie man ihm geſagt hatte, die Leichen der Selbſtmörder oder Ermordeten ausgeſtellt würden. 4 2 Er ſah da eine Leiche,— ſein Fuß wurzelte am Boden,— ſein entſetzter, wahnſinniger Blick ſtarrte auf dieſe Leiche des getödteten Diebes,— mühſam ſchleppte er ſich noch einen Schritt näher.—
Ein einziger, gellender, entſetzlicher Schrei rang ſich aus der Bruſt des Greiſes, ein Schrei, der Je⸗ dem, welcher ihn hörte, die Thränen in die Augen trieb,— es war der Schrei eines Vaters, welchem das Liebſte, das Einzige entriſſen wird, eines Va⸗ ters, welcher vor der Leiche ſeines Sohnes ſteht.
Kein Wort, keine Klage drang mehr über ſeine Lippen, das ſtarre Auge auf Chriſtian's Leiche gehef⸗ tet, ſo ſank er zuſammen,— ſo ſtarb er.
Ein Schlagfluß hatte ihn getödtet, und ſo iſt „dieſe ſeltene Krankheitsblüthe“ doch nicht zu ihrer Entfaltung gekommen, was den berühmten Doctor A. mit großer und gerechter Betrübniß erfüllt.
Ende des dritten und letzten Bandes.
-,;́́ꝑ


