— 273—
Eduard ſchwieg,— Aller Augen hefteten ſich auf die Baronin; ſie empfand dieſe Blicke, ſie machte einen letzten Verſuch ſich aufzurichten, den Verdacht. von ſich abzuwälzen. 8
Dies iſt eine ſehr romantiſche Geſchichte, ſagte ſie mit einem mühſamen Lachen, ſchade nur, daß Nie⸗ mand ſie glauben wird. Denn das von nur Einem
Zeugen vernommene angebliche Bekenntniß eines Ge⸗ ſtorbenen wird Niemand für einen Beweis wollen gelten laſſen.
Es giebt noch einen andern Beweis, ſagte Frau von Hermfeld, den Entwurf jenes Codicills, den Gotthold aufgeſetzt und die Baronin Elsleben corri⸗ girt hat. Der ſterbende Schreiber Braune gab ihn an den Doctor Linz, und dieſer hat ihn in meine Hände niedergelegt. Hier iſt er! Und jetzt, meine Herren, prüfen Sie! Vergleichen Sie den Entwurf mit dem in Ihren Händen befindlichen Codicill, das, wie ich vermuthe, verſiegelt war, und deſſen In⸗ halt dennoch genau übereinſtimmen wird mit dieſem Entwurf.
Der Juſtizbeamte nahm das von der Baronin dargereichte Papier und verglich es mit dem Codicill, dann reichte er es den beiden andern Gerichtsbeamten dar; auch ſie prüften und verglichen.— Alles war ſtill; es war ein ängſtliches, banges Schweigen,— die Baronin Elsleben war marmor⸗ bleich geworden, ihre bläulichen Lippen zuckten krampf⸗ haft, ihre weitaufgeriſſenen Augen ſtarrten den Juſtiz⸗ beamten an, von deſſen Lippen ſie ihr Urtheil er⸗ wartete. Emmy hatte ſich das Geſicht verhüllt und lag weinend, zitternd auf ihren Knieen.
Es iſt klar und erwieſen, ſagte der Juſtizcommiſſa⸗ rius feierlich, dieſes Codieill iſt falſch. Eine verbreche⸗ riſche Liſt ſollte das echte Teſtament ungültig machen!
III.


