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Staubfäden war der Prediger Gotthold. Dennoch ſträubte ſich Braune, als ihm Gotthold einen Auf⸗ trag gab, der eben ſo gefährlicher als verbrecheriſcher Art war. Aber Braune war arm, er hatte ſein Ver⸗ mögen vergeudet, es wurden ihm große Summen geboten,— er unterlag der Verſuchung und that, was ihm geheißen war!
Was that er?
Braune war ein ſehr geſchickter Schreiber, er be⸗ ſaß die Kunſt jede Handſchrift zum Verwechſeln ähn⸗ lich nachzuſchreiben,— man zeigte ihm ein Teſta⸗ ment, und genau in denſelben Schriftzügen ſollte er ein Codicill ſchreiben, deſſen Inhalt und Form ihm in einem Entwurf gegeben ward, der von Gotthold geſchrieben und von einer andern Hand hier und da verbeſſert und mit Zuſätzen verſehen worden war. Braune aber war feig,— er fürchtete eine einſtige mögliche Entdeckung, und trachtete, ſich ſo viel als möglich zu ſichern. Er verlangte daher, daß man ihm volle, ungeſtörte Ruhe laſſe, weil er nur, wenn er ganz allein ſei, gut zu arbeiten vermöge.— Man ließ ihn allein und ſchloß ihn ein in dem Arbeits⸗ zimmer Gotthold's.— Braune benutzte die Zeit, er war ſehr raſch, ſehr gewandt,— er ſchrieb den Ent⸗ wurf des Codicills zweimal ab,— einmal in der Handſchrift des Teſtators und deſſen Juſtiziarius, ein anderes Mal genau in den beiden Handſchriften, welche den Entwurf aufgeſetzt. Dieſe letztere Abſchrift ver⸗ tauſchte er mit dem Original und verbarg Letzteres in ſeinen Kleidern, während Gotthold, nichts Böſes ahnend, meinte, Braune habe ihm das Original des Entwurfes, zugleich mit der ſehr gelungenen Abſchrift gegeben, und ihm die bedingte Summe auszahlte.— Dies, meine Herren, iſt die Geſchichte jenes Codicills, welches Sie in Händen haben!
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