Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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die ſtolze und hohe Geſtalt der Frau von Hermfeld, eine einfache, undurchſichtige Haube ſchloß ſich dicht an ihre Wangen und das einfach geſcheitelte Haar, aber es lag, trotz dieſes ärmlichen, ſchmuckloſen An⸗ zuges, dennoch etwas Imponirendes, Ehrfurchtgebie⸗ tendes in der ganzen Erſcheinung der Baronin, die Hoheit und der Adel ihrer Seele prägte ſich aus in ihrem Weſen.

Sie zweifeln, daß ich eine Baronin ſei? ſagte Frau von Hermfeld lächelnd, Sie zweifeln deshalb, mein Herr, weil mein beſcheidener Anzug nicht ſo viel Werth hat, als eine einzige Perle von dem rei⸗ chen Halsband meiner Frau Schwägerin? Nicht immer machen die Kleider die Leute aus, und übri⸗ gens begreife ich nicht, daß eine Baronin etwas Beſſeres iſt, als jedes arme Weib, das im Schweiße ihres Angeſichts ſich ihr Brod verdient, warum ſollte alſo eine Baronin ſich beſſer kleiden müſſen, wenn es nicht geſchieht, um unter äußerm Prunk die Armuth ihrer Seele zu verbergen! Uebrigens bin ich nur Frau Hermfeld, und wenn ich mich heute noch einmal Baronin nenne, ſo geſchieht es, weil ich, als die Schweſter meines Bruders, dieſen Titel bean⸗ ſpruchen muß. Emmy von Elsleben hal die Reli⸗ gion ihres Vaters verlaſſen, dem Teſtament zu⸗ folge fällt das Vermögen meines Bruders jetzt an mich zurück.

Die Baronin Elsleben hatte ſich lange ſchon er⸗ holt von ihrem augenblicklichen Schreck.

Sie ſagte mit einem triumphirenden Lachen: dies⸗ mal, meine höchſt ehrwürdige Frau Schwägerin, haben Sie ſich umſonſt mit dem unwürdigen Baronstitel belaſtet. Vielleicht wußte ihr Bruder, mein Gemahl, welch eine begeiſterte Anhängerin der Armuth und Bettelei Sie ſind, und es iſt gewiß deshalb geſchehen,