Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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gen nicht ganz das Irdiſche vergeſſen. Sie war be⸗ müht, ſich vor ihrem Uebertritt, und ohne meine Be⸗ willigung, einem jungen Manne zu verloben, deſſen glänzendes Vermögen ſie ſelber vor jedem Mangel ſchützt. Es iſt alſo nur ihre Mutter, welche Fräu⸗ lein Emmy zu einer Bettlerin gemacht hat, und Sie begreifen, daß man auf eine Mutter nicht Rückſicht nehmen darf, wenn es ſich um das Heil der eigenen Seele handelt.

Emmy wandte den von Thränen verdunkelten Blick auf ihre Mutter, aber es lag kein Vorwurf in dieſem Blick, nur unausſprechliche Milde und Verge⸗ bung. Sie war feſt entſchloſſen Alles zu ertragen, Alles ſchweigend zu erdulden, es war die letzte Stunde, daß ſie Tochter ſein ſollte, ihre Mutter war ihr eine Sterbende, und Sterbenden ſoll man Alles verzeihen!

Und hat Fräulein Emmy nichts einzuwenden, fragte der Juſtizbeamte. Iſt Alles ſo, wie die Frau Baronin ſagt?

Es iſt ſol ſagte Emmy feſt. Ich kann nichts ein⸗ wenden. Ich bin eine Chriſt⸗Katholikin, und es iſt wahr, daß ich mich, wider den Willen meiner Mut⸗ ter, dem Manne, welchen ich liebe, verlobt habe. Es

mag ſein, daß die Geſetze meiner Mutter das Recht

geben, bis zu meiner Volljährigkeit dieſe Verbindung zu verhindern. Wir ſind jung und geduldig, und wir werden ausharren bis zu meiner Volljährigkeit!

Sie ſah prächtig aus mit dieſem ſtrahlenden und energiſchen Ausdruck, der ſo ſeltſam contraſtirte mit ihrer zarten, ätheriſchen Geſtalt.

Sie ſehen, meine Herren, ich habe eine ſehr ge⸗

horſame Tochter, rief die Baronin. Der Allmächtige will meinem Mutterherzen eine Prüfung auferlegen, ich unterwerfe mich in Demuth dem Herrn!