— 2560—
wenn Emmy früher zu dieſem Aeußerſten geſchritten wäre.
Alle meine Plane wären zerſtört worden, ſagte ſie. Der Fürſt hätte ſehr leicht erfabren können von Emmy's wahnſinniger Liebe zu dieſem Menſchen, und dann war Alles verloren! Jetzt aber, fuhr ſie triumphirend fort, jetzt iſt Alles gewonnen! Er wird Mein ſein, und ich werde nicht mehr zu fürchten haben, ihm unwillkommen zu ſein, denn ich werde reich ſein und Emmy ſehr arm! Ich ſtehe am Ziele all meines Strebens! Mein wird der ſchönſte, der gefeiertſte Mann, mein dieſes große Vermögen, un⸗ beſtritten mein! Es iſt unmöglich, daß es anders ſei, Niemand kann ahnen, daß es nicht der Baron war, der dieſe wichtigen Zeilen geſchrieben, es iſt unmöglich, es zu ſehen! Und deshalb war es noth⸗ wendig, daß ich mich zornig zeigte, damit ſie über⸗ zeugt blieben, ich halte mich ſelber für eine Bettlerin! Mein Gott, wie glücklich ich bin! Rang, Ehre, Reichthum, Alles dies iſt mein, und ich werde es allein meiner Klugheit verdanken, allein mir ſelber!
Nein, nicht mir! fuhr ſie, ſich beſinnend, fort, und nahm eine demüthige Miene an. Nicht mir, Gott allein gebührt die Ehre! Er war es, der mir beiſtand, der mir Kraft gab, alle Hinderniſſe zu über⸗ winden, er war es, der Alles ſo lenkte und fügte, daß es mir zum Segen gedeihen mußte! Ihm, mei⸗ nem Herrn und Gotte, ſei der Preis und der Dank!
Sie warf ſich nieder vor dem Betpulte und hob die gefalteten Hände zu Gott empor.—
Was ſtörte auf einmal ihre Andacht? Es war ein Schreien und Jammern, das verworren und angſtvoll zu ihr drang.
Die Thür ward aufgeriſſen und blaß und zitternd ſtürzte ihre vertrante Kammerfrau herein.


