Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

259

Hauſe bleiben? fragte er, ihre Hände küſſend. Ueber⸗ lege, meine Geliebte, ob Du die Kraft haben wirſt, die widerliche Scene, welche Dir noch aufbehalten iſt, zu ertragen. Du weißt, daß Amalie und ihr Bruder Dich erwarten, daß ſie mit freudiger Liebe Dich in Ihrem Hauſe empfangen werden, bis Du mein Weib biſt!

Sie hat es befohlen, ſagte Emmy ſanft, es war der letzte Befehl einer Mutter, ich werde ihr ge⸗ horchen! Erwarte mich bei unſern Freunden; von morgen an kenne ich keinen Willen mehr, als den Deinen!

Sie reichte ihm die Hand dar, er ſchloß ſie feſt in die ſeine. Sie ſahen ſich an mit einem unaus⸗ ſprechlichen Blick. Alles was in ihnen lebte an Glück und Liebe, an Muth und Energie, das lag in dieſem Blick.

Emmy ging hinauf in ihr Zimmer, Adalbert eilte zu Eduard; durch das innige Freundſchafts⸗ verhältniß Amalien's und Emmy's hatten Eduard und Adalbert einander kennen gelernt und ſich ein⸗ ander gefunden in Freundſchaft.

Als Eduard von Adalbert erfuhr, daß ſchon heute Abend die gerichtliche Teſtamentsvollſtreckung ſtatt⸗ finden ſolle, befahl er ſogleich ſeinen Wagen einzu⸗ ſpannen und eilte hinaus in die Familienhäuſer zur Baronin Hermfeld.

Die Thür hatte ſich hinter Emmy und ihrem Geliebten geſchloſſen, die Baronin ſah ihnen mit ſtolzen, zornigen Blicken nach, keine Thräne trat in ihre Augen, ſie hatte keine Tochter verloren, denn ſie hatte in ihrem Herzen niemals eine beſeſſen! Sie dachte nur an ſich und an die möglichen Uebel⸗ ſtände, die ihr daraus hätten erwachſen können,

17-