Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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Gräſin Ottilie ſein, die ich kürzlich vom Tode ge⸗ rettet. Sie iſt immer ſo voll Dank und Freundlich⸗ lichkeit. Aber ſeltſam iſt es, daß ſie niemals ihren Bedienten ſendet, ſondern immer dieſes alte, ſchmuz⸗ zige Weib!

Er war an's Fenſter getreten und ſtarrte auf die Straße hinunter, während er ſo ſprach. Er dachte nicht, daß Frau Winkler ihn hören könnte, er er⸗ innerte ſich kaum ihrer Gegenwart. Was kümmerte ihn dieſes arme, alte Weib, ihn, der dem reizenden und zarten Geheimniß dieſer Blumenhuldigung nach⸗ ſpürte, und deſſen männliche Eitelkeit ihn Vergnügen finden ließ an dieſer geheimnißvollen Gabe, obwohl ſie nicht von Amalien kam, nicht von ihr, die doch das einzige Weib war, das er liebte. Jawohl, was kümmerte ihn dieſes alte, verſchrumpfte Angeſicht,

dieſes gebeugte Mütterchen, deſſen Herzen er eben ge⸗

brochen hatte, ohne es zu wiſſen, ohne es zu wollen? Denn ſie, ſie hatte Alles gehört, und ſie wußte es jetzt, daß er in ihr nichts ſah, als dieſes alte, ſchmutzige Weib, die unwürdige Botin jener jungen, ſchönen und liebreizenden Gräfin, welche ihm die Blu⸗ men ſandte. Das alſo war ihr Dank für dieſe Ge⸗ ſchenke, welche ſie mit tagelanger Arbeit, mit Ent⸗ behrungen aller Art bezahlte, das der Lohn für die Freude, mit welcher ſie entbehrte und arbeitete, nur eben um Eduard eine Freude zu machen? Und hatte ſie es denn um Dank und Lohn gethan? Und war's nicht des Lohnes genug, daß ſie ihn ſehen, zu ihm ſprechen konnte, daß ſie in ſeinem Zimmer ſein durfte und ſeine liebe Stimme hörte? Und hatte er nicht Recht gehabt, ſie ein„altes, ſchmutziges Weib“ zu nennen?. 8

Frau Winkler trocknete raſch ihre Thränen und verſuchte zu lächeln, weil Eduard ſich eben nach ihr