ein Herr trat herein.— Lnde fuhr erſtaunt und mit
weit aufgeriſſenen Augen zurück,— ja, wahrhaftig,
das war derſelbe Herr, der damals bei Madame Al⸗ bratti geweſen, derſelbe, der Amintha aus dem Opern⸗
hauſe abgeholt und von dort mitgenommen hatte.
Er war es, er war es ganz gewiß.
Was bedeutet dieſer Lärm? fragte der Herr barſch. Wie kommt dieſer Junge hier herein?
Der Livréediener antwortete demüthig: der Por⸗ tier muß ihn heraufgelaſſen haben, Herr Paulowitſch, und er hat ſich mit Gewalt hier eingedrängt.
So hätteſt Du ihn mit Gewalt wieder hinaus⸗ werfen ſollen, ſagte Paulowitſch ſtreng. Geh' jetzt und rufe Fräulein Amintha. Der franzöſiſche Lehrer iſt da!
Lude hätte laut aufſchreien mögen vor Frende und Ueberraſchung, aber er fühlte, daß es ſeinen ganzen Plan verderben müſſe, wenn Paulowitſch errieth, daß er Amintha kenne.
Aber nicht eher gehe ich fort, bis ich ſie geſehen habe, ſchwur er ſich ſelber, und trotzdem, daß Pau⸗ lowitſch ſchalt und drohte, ſchien nun der italieniſche Knabe durchaus ſeinen Affen nicht wieder einfangen zu können und verfolgte ihn vergeblich durch das ganze Zimmer.
„Da bewegte ſich eine Thür, athemlos ſtand Lude ſtill, er hatte Alles vergeſſen, Alles, er wußte nur, daß er Amintha ſehen müſſe, ſehen wolle, und koſte es ſein Leben!
Die Thür ging auf,— o mein Gott, es war Amintha, ſie, ſie war es, das holde Kind mit den langen blonden Locken, mit den tiefblauen Augen und dem ſanften Engelslächeln. O wie ſchön, wie präch tig ſah ſie aus in dem himmelblauen, ſeidenen Ge⸗ wande, wie eine Prinzeſſin ſo glänzend und köſtlich!


