58—
machen verſtänden. Zuweilen auch kam irgend eine ſchöne Tochter vom Hauſe, um vor der Dienerſchaft zu glänzen mit ihrer Gelehrſamkeit, und ſie redete Italieniſch zu dem italieniſchen Knaben, der dann mit großer Geläufigkeit ſeine fünf Redensarten hinter⸗ einander herſagte. Wenn dann aber das Fragen noch nicht zu Ende war, ſprach er allerlei Worte, wie ſie ihm eben in den Mund kamen, und die weder er, noch der liebe Gott verſtanden, ſondern nur die Fräulein, zu welchen er ſprach, denn ſie gaben ihm dann Geld und verſicherten höchſt zufrieden, ſie hät⸗ ten jedes Wort verſtanden, und ſie hätten wirklich ſelbſt nicht geglaubt, daß ihnen das Italieniſche ſo geläuſig ſei. Gewiß, es war ein Glück, daß Lude gerade ein Italiener geworden war, denn die italie⸗ niſche Sprache iſt in Berlin ſehr unbekannt mit ihrer weichen und lieblichen Muſik, und nur ſehr Wenige giebt es, die ſie verſtehen und ſich in ihr verſtändlich zu machen wiſſen. 4
Endlich kam Lude in ein großes Höôtel, und da der Portier gerade nicht in ſeiner Loge war, konnte Lude ungehindert die breite, glänzende Treppe hin⸗ aufgehen und an dem Klingelgriff von dunkelrothem Glaſe ziehen, worauf ſogleich die Thür geöffnet ward und ein Diener in glänzender Livrée erſchien. Er wollte, als er den Knaben mit dem Affen ſah, ſofort die Thür wieder verſchließen, aber Lude hatte ſchon gelernt, wie man es machen müſſe, um eingelaſſen zu werden. Er klemmte ſich zwiſchen die Thür, im⸗ merfort flehend: ah signor, per l'amore di Dio un Silbergroſchen! Endlich ſchlüpfte er durch die Thür und ſtand im Zimmer, er ließ ſeinen Affen los, daß ddieſer im Zimmer umherfuhr und den Diener lachen
machte durch ſein künſtliches und doch ſo ſehr natür⸗ liches Katzenmiauen. Da öffnete ſich die Thür und


