Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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geſehen, keine Nachricht von ihm erhalten. Eine Art von Scham war es, welche Chriſtian verhinderte zu dieſem alten Manne zurückzukehren, deſſen reich⸗ liches Geſchenk er in wenigen Tagen verſpielt hatte, um dann wieder zurückzuſinken in Armuth und Schande, und aufs Neue dem Verbrechen ſich zu er⸗ geben.— Auch ſeinen Bruder Thomas ſah Lude jetzt ſeltener, ſeit dieſer verheirathet war, und nur noch Frau Winkler war ihm als treue, theilnehmende Freundin geblieben. Aber auch ſie war ſtiller und trauriger, als ſonſt, und obwohl ſie niemals klagte, ſah doch Lude in ihrem bleichen, traurigen Geſicht den Kummer, den ſie Niemand ſagen mochte, weil es vielleicht keinen Troſt dafür gab. Und deshalb bemühte er ſich, ihr gegenüber heiter zu ſein und nicht durch ſeine eigenen Klagen ihr Herz uoch mehr zu beſchweren.— So war Madame Albratti ſeine einzige Zuflucht geworden. Bei ihr war er täglich, denn ihr durfte er nichts verhehlen von ſeinem Kummer, und immer doch war es ein ſüßer Troſt, von Amintha ſprechen und mit ihrer Mutter ſich ihr liebliches Weſen, ihre holde Geſtalt vergegenwärtigen zu können.—

Auch die alte Sängerin war froh irgend Jemand zu finden, der ihren egoiſtiſchen Klagen ein williges Ohr lieh und den Erzählungen ihrer einſtigen Triumphe und Erfolge mit ſtets reger Theilnahme zuhörte. Sie hatte ihm endlich Alles vertraut, und Lude wußte jetzt, daß Amintha nicht, wie die Andern glaubten, zu einer vornehmen Dame gekommen, ſondern daß

ihre Mutter ſie verkauft habe, ohne einmal zu wiſſen, bei wem ihr Kiud ſei, und wer ſie betrogen habe um den Sündenlohn für die verrathene Tochter.

Aber ſo wahr ick Lude heiße, ick muß erfahren, wo ſie iſt, ſagte der Knabe energiſch. Berlin is

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