Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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fürchten mußte, ſelber in Strafe und Unterſuchung

zu kommen.

Aber während ſie nur weinte um das verlorene Geld, war ein Anderer da, welcher Jahre ſeines Lebens hätte hingeben mögen um Geld, nicht aber, um es zu beſitzen, ſondern, um damit die Mittel und Wege zu erforſchen, Amintha wiederzufinden. Dieſer Andere, wer konnte es anders ſein, als Lude, als der arme, häßliche, ſchielende Knabe mit dem ungeſchlachten Geſicht und dem warmen Herzen, das in treueſter Liebe und in zarteſtem Verſtändniß ganz dieſem lieblichen, blonden Kinde zugethan war, das er geliebt, wie etwa das Hündchen ſeinen Herrn liebt, ihm willenlos folgend, zu ſeinen Füßen ruhend in demuthsvollſter Treue, nichts weiter begehrend, als ein wenig Duldung, ein wenig Güte für ſo unbe⸗ grenzte, hingebende Zärtlichkeit.

Eine große Veränderung war in Lude's Weſen vorgegangen, ſeit Amintha nicht mehr in den Familien⸗ häuſern weilte. Er hatte ſich ſo gewöhnt nur für ſie zu leben, an ſie zu denken, daß er ſich ganz ver⸗ waiſt und troſtlos verlaſſen fühlte, ſeit ſie nicht mehr da war. Wem ſollte er ſich nun noch hingeben mit dieſem argloſen, vertrauenden Herzen, das nur ſie verſtanden hatte, wer nahm nun noch Theil an ſeinem Leben, und hatte für ſeine Worte ein williges Ohr? Er war ganz allein, ganz einſam. Wohl liebte er ſeinen Vater, den alten Weber, aber der ſchweigſame, kummervolle Greis achtete wenig ſeiner, weil alle ſeine Gedanken nur mit Chriſtian beſchäftigt waren, mit dem Sohne ſeiner Schmerzen, um deſſentwillen er ſich verkauft, um ihn zu retten, und den er viel⸗ leicht nur noch ſchneller dadurch an den Rand des Abgrundes geführt haben mochte. Seit er ſeinem Sohne das Geld gegeben, hatte er ihn nicht wieder