Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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der Thür lehnte. Wie er ſie in dem bräutlichen Ge⸗ wande ſah, auf dem Tiſche den Myrthenkranz und den weißen Brautſchleier, da hatte er Alles errathen, da wußte er, daß die Stunde gekommen ſei, welche ſie auf ewig von ihm trennen ſollte, und der Schmerz über⸗ wältigte ihn und machte ihn bewegungslos, ſtarr.

Und in dieſem Moment durchfuhr es, wie ein heiliger Blitz, Emmy's Gemüth. Was ſie niemals geahnt, niemals vermuthet hatte, das errieth ſie jetzt in dieſem traurigen und doch ſo glühenden Blicke des Freundes. Ja, ſie wußte es jetzt, daß er ſie liebe mit der Liebe eines Mannes, mit der Gluth eines Jünglings, und dieſes Wiſſen, es erfüllte ſie mit Freude und Seligkeit. In dieſem Angenblicke war er nicht der katholiſche Prieſter, nicht der Diener der Kirche, ſie nicht die Braut eines Andern, nicht durch Geſetz und Pflicht von ihm getrennt, es waren nur zwei Weſen, welche ſich liebten mit jener Liebe, die Gott und Natur in das Herz der Menſchen ge⸗ legt, es war nur ein Mann und ein Weib, die ſich gegenüber ſtanden im vollen Bewußtſein ihrer Liebe, nichts weiter denkend, als dieſes.

Sie ſprachen nicht, was hätten Worte ihnen auch ſagen können, ſie ſahen ſich nur an, lange und innig. Ihre Liebe war über alles Begehren, ſelbſt über allen Schmerz erhaben. Heilig war dieſer Moment, hei⸗ lig und groß, und wohl denen, welche ſolch einen Moment erlebt und in ſich erfahren haben, er iſt

ein Talisman gegen alle Stürme des Lebens, und

der thränenumdüſterte Blick wird aufflammen in Glück bei der Erinnerung daran, und in die um⸗ nachtete Seele wird er hineinleuchten mit einem Strahle des göttlichen Lichtes, dieſer Moment, in welchem zwei Herzen ſich finden und erkennen, und ewige, unauslöſchliche Liebe einander geloben.

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