Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

— 41—

Deinem Sterbebette Dir gelobte, ich werde ihn er⸗ füllen, und ich werde es freudig thun, denn Dein Segen wird mit mir ſein, mein Vater!

Nur als ihre Mutter ihr den Myrthenkranz in's Haar flechten wollte, bebte Emmy und trat abweh⸗ rend einen Schritt zurück.

Ich habe einen Wunſch, meine Mutter, flüſterte ſie leiſe, und gewiß wirſt Du ihn erfüllen, da es der letzte iſt, den ich Dir ſagen will.

Nun, und was wünſcheſt Du?

Geſtatte, daß mein Lehrer und Beichtvater, der würdige Pater Joſeph, mir den Kranz aufſetze, ſagte ſie mit verſagender Stimme.

Nun, jetzt iſt keine Gefahr mehr dabei, dachte die Baronin, und befahl, Pater Joſeph zu rufen.

Auch weiß er noch nichts von Deiner heutigen Vermählung, ſagte die Baronin, denn die Trauung wird, wie ich Dir ſagte, in der Kirche vom Probſt Brinkmann vollzogen werden. Du ſelbſt magſt alſo den Pater davon in Kenntniß ſetzen. Ich gehe in⸗ deſſen, meine eigene Toilette zu machen.

Einen Augenblick war Emmy jetzt allein, den erſten Augenblick, ſeit ſie von ihrer heutigen Ver⸗ mählung erfahren. Aber ſie ſcheuete dies Alleinſein, ſie ſcheuete das heimliche Zwiegeſpräch mit ihrem Herzen, ſie mußte andere Worte, andere Stimmen hören, als die Stimme, welche fort und fort Worte der Klage in ihrem Buſen ſprach.

Schritte nahten ſich. O, Emmy kannte ſie nur zu gut, und eine dunkle Röthe überzog plötzlich ihre bleichen Wangen. Die Thür ward geöffnet, ja, er war's,— Pater Joſeph. Sie ging ihm entgegen, ſie verſuchte zu lächeln, dann aber blieb ſie mitten im Zimmer ſtehen, erſchreckt ihn anſtarrend, ihn, der bleich und ächzend, kaum ſeiner Sinne mächtig, an

“