Die verlaſſene Draut.
Schweigend und ohne Widerſpruch hatte Emmy die Kunde von ihrer heutigen Vermählung empfan⸗ gen. Nicht ein Wort der Klage war auf ihren Lip⸗ pen geweſen, keine Thräne hatte ihre Augen um⸗ düſtert, und die Baronin dachte, der allzubeſorgte Freund Gotthold habe ſich diesmal getäuſcht, und Emmy ſei ganz zufrieden, ganz glücklich.
Aber wer mit ſchärferem Auge Emmy beobachtet hätte, den würde dieſe ſtumme, demuthsvolle Unter⸗ werfung der jungen klageloſen Braut gerührt haben, der würde in dieſen ſtrahlenloſen Blicken eine Erge⸗ bung geleſen haben, die ſich ſelbſt bis über die Klage erhoben und in ſich den Schmerz zu einer Art Freude verklärt hatte. Sie ſah unendlich rührend aus in dieſem weißen Atlaskleide, das ihre zarte, ätheriſche Geſtalt umhüllte, wie eine Braut des Himmels, ſo unſchuldsvoll und rein, ſo gottergeben und freuden⸗ voll. Ihre verklärten Blicke waren immer auf das Bild ihres Vaters geheftet, und mit jenem Muthe, welcher nur der Unſchuld und Tugend verliehen iſt,
dachte ſie: Du ſollſt mit mir zufrieden ſein, mein
Vater! Ich werde den Schwur, welchen ich auf


