keit läßt die Menſchen niemals glauben, daß ſie ver⸗ laſſen und aufgegeben werden könnten, wenn ſie ſelber auch ſchon längſt verlaſſen und aufgegeben haben. Jeder entſchließt ſich leichter, ſelber treulos zu werden, als unter der Treuloſigkeit des Andern zu leiden, und die eigene Entartung wird man der Demüthigung durch Andere immer vorziehen.
Emmy hätte zurücktreten müſſen, dachte Alfred, ſo wie ſie mein Erkalten fühlte, und gefühlt muß ſie es haben. Daß ich niemals mein Wort zurück⸗ nehmen konnte, weil die Ehre es mir verbietet, mußte ſie einſehen, und darum ſtatt meiner handeln.
Doch erinnerte er ſich jetzt ein wenig beſchämt, daß nur Julia es geweſen, die ihn gezwungen, ſei⸗ nem Worte treu zu bleiben, und eine unendliche Sehnſucht nach ihr erfüllte jetzt ſein ganzes Gemüth. Nur noch wenige Stunden, und jeder Gedanke an ſie ward ein Meineid, jedes Sehuen nach ihr eine Treuloſigkeit an ſeinem Weibe.
Und ich kann und will doch nimmer aufhören, ſie zu lieben, rief er ganz verzweiflungsvoll, ſie wird mir ſein, wie dem in der Wüſte Irrenden der Mor⸗ genſtern, zu dem er hoffend aufblickt, dem er nach⸗ zieht, bis er ermattend hinſinkt und ſtirbt. Ja, ſie werde ich ſuchen, ſo lang ich lebe, ſie wird vor mir herſchweben, wie das Glück, und ich werde es doch nimmer erfaſſen und an mein Herz drücken können. Wo biſt Du denn, Du großes, ſtolzes Weib, das ich zuweilen meinen Engel und meinen Dämon nenneu möchte! Sei mein Dämon, dann wirſt Du von mir nicht dieſes Opfer fordern, welches nur ein En⸗ gel begehren kann. Komm und enthülle Dich mir, gieb mir Kunde, wo Du weilſt, und ich werde Dich finden und zu Deinen Füßen niederſinken, und Alles werde ich freudig zurücklaſſen, Alles werde ich auf⸗


