Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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Vielleicht hatte ſich Gott wirklich täuſchen laſſen von der frommen Baronin, denn er unterſtützte ſichtlich ihre Plane. Der nachgeſuchte Dispens um Aufhebung des dreimaligen öffentlichen Aufgebotes ward über Erwarten ſchnell erlangt, alle Papiere raſch in Ordnung gebracht, alle äußern Schwierig⸗ keiten überwunden, nichts ſtand der Heirath mehr. im Wege, und es war nur noch nöthig, Emmy und ihren Verlobten davon in Kenntniß zu ſetzen.

Erſteres iſt gar nicht einmal nöthig, ſagte die Baronin, vielmehr ſcheint es mir ſogar beſſer, wenn Emmy erſt am Tage ihrer Hochzeit ſelbſt davon er⸗ fährt. Es bleibt ihr dann gar keine Zeit übrig zum Ueberlegen und Unglücklichſein, die Ueberraſchung hilft ihr über alle dieſe Stimmungen hinweg, und gewiß wird ſie es mir danken, ſie ſo ſtill und unbe⸗ merkt über dieſe unangenehmen Tage, welche der Vermählung vorangehen, hinweggeführt zu haben. Erſt wenn der vollſtändige Brautanzug bereit liegt, ſoll ſie dadon erfahren.

Aber an Alfred von Wülfingen, ihren künftigen Schwiegerſohn, ſchrieb die Baronin ſogleich.

„Sie haben mich früher oft angefleht, den Tag Ihrer Vermählung mit Emmy endlich feſtzuſetzen, ſchrieb ſie ihm, ich thue es hente. Emmy's zarte Geſundheit hat gelitten von dieſem kalten Winter; die Aerzte ſagen, ein milderes Klima, die Verän⸗ derung der Luft ſei ihr nothwendig, und ſo ſiegt denn bei mir die zärtliche Sorge für mein Kind über den egoiſtiſchen Wunſch, Emmy noch länger mein Eigen zu nennen. Es war ja längſt beſchloſ⸗ ſen, daß nach Ihrer Vermählung Sie Beide einige Monate reiſen wollten. Nun wohl, reiſen Sie, und deshalb, wenn Sie einverſtanden ſind, ſoll in acht Tagen Hochzeit ſein. Noch Eins! Sagen Sie Emmy