Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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Schritten fühlte ſie ſich gehemmt und Chriſtian's eiſerne Fauſt packte ungeſtüm ihren Arm.

Ich dachte mir ſo was, ſagte er ingrimmig, und darum paßte ich auf, und that, als merkt' ich's nicht, daß Sie langſamer gingen. Jetzt, Mamſell, werden Sie ſich von mir führen laſſen, oder, beim Teufel, ich rufe den Nachtwächter, und dann wird die Polizei ſchon Mittel finden, Sie feſtzuhalten. lie erwiderte nichts, ſie ſuchte auch nicht us ſeiner umklammernden Hand zu be⸗ illenlos und ergeben folgte ſie ihm. Nach langem Wandern machte Chriſtian endlich Halt vor einem düſtern hohen Haufe in der Jakobsſtraße und öffnete die Thür. Das arme, ſtumme Weib ſträubte ſich nicht. Schweigend folgte ſie ihm die ſteilen, hohen Treppen hinauf, und erſt nachdem ſie vier derſelben erklettert hatten, waren ſie zu der ärmlichen Dachkammer gelangt, welche Chriſtian als „das Hötel des gnädigen Fräuleins“ bezeichnete.

Ausreißen werden Sie nicht können, ſagte er iro⸗ niſch, nachdem er Licht angezündet, aus'nem Fenſter ſpringen, das geht nicht, weil Sie nur als'n Leich⸗ nam auf dem Straßenpflaſter ankommen würden, und die Thür hier, die ſchließ' ich zu und nehm' den Schlüſſel mit. Und jetzt, gute Nacht und ange⸗ nehme Ruh'! Ich wünſch' Ihnen'nen recht ſchönen Traum von'ner Flucht, die Ihnen beſſer glückt, als die von heute Abend!

Mit einem lauten ſpöttiſchen Lachen verließ er die Kammer und warf die Thür hinter ſich zu. Athemlos, unbeweglich horchte das Weib. Ja, rich⸗ tig, er ſchloß die Thür zu, er zog den Schlüſſel ab und ging fort. Sie hörte unter ſeinen ſchweren Tritten die Stiegen knarren,— er war fort und ſie war jetzt allein, aber eine Gefangene!

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