Teil eines Werkes 
3. Theil (1860)
Entstehung
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Stoße ihn von Dir, leide es nicht, daß er Dich beſudelt mit ſeinen Küſſen! rief Eduard heftig.

Draußen an der Thür, das Ohr dicht an dieſelbe geneigt, ſtand Gotthold. Keine Sylbe von dem Schluß ihrer Unterredung war ihm entgangen, und mit einem heimtückiſchen Lächeln ſich die Hände reibend, flüſterte er: ſieh, ſieh, die lieben Geſchwiſter ſcheinen wirklich eine glühende Zärtlichkeit für mich zu empfinden, die ich vollkommen theile. Ach, es ärgert dieſen Herrn Eduard, wenn ich mein Weib küſſe, ſie fühlt ſich ge⸗ demüthigt von meiner Zärtlichkeit! Ach, da wird es ja eine Wolluſt ſein, ſie zu küſſen, denn ich genüge damit zugleich meiner Neigung und meiner Rache!

Dann legte er ſein Geſicht in die gewohnten from⸗ men Falten und öffnete leiſe die Thür.

Die Geſchwiſter ſtanden Hand in Hand und blick⸗ ten einander lächelnd an, ſie ſchraken aber Beide zu⸗ ſammen, als ſie Gotthold gewahrten, und wandten, gleich ertappten Miſſethätern, den Blick zur Erde.

* Gotthold ſchien ihre Verwirrung nicht zu bemerken, ſondern ſagte mit ſeiner gewohnten gleißneriſchen Freundlichkeit: der Herr gebe Ihnen Glück und Se⸗ gen, mein theurer Schwager! Ich habe Sie ſo lange nicht geſehen, daß ich wirklich Verlangen nach Ihnen hatte, und nur ſelbſt kommen mußte, Sie aufzuſuchen!

Er reichte Eduard die Hand und ſchien es gar nicht zu bemerken, daß Eduard den Druck der ſeinen nicht erwiederte..

Ach, und da biſt Du ja, mein holdes, mein liebes Weibchen, fuhr Gotthold fort und drückte Amalie in ſeine Arme. Ach, lieber Schwager, ſieht ſie nicht ſchön aus, meine kleine Frau? Ja, wir leben auch mit einander wie die Turteltauben, immer ein Herz und eine Seele!

Gotthold! ſagte Amalie verweiſend, und ſuchte ſich ſeinen Armen zu entwinden.