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Nun, warum ſchämſt Du Dich denn, Deinen Bruder unſere Zärtlichkeit ſehen zu laſſen, fuhr Gotthold fort und küßte Amalie. Kein Weib kann ſo glühend küſſen, wie Du, und nie habe ich ge⸗ glaubt, daß ein Weib ſolcher Zärtlichkeit fähig wäre, wie ſie mir Amalie täglich beweiſt.
Eduard war ſchweigend an das Fenſter getreten und trommelte mit den Fingern an der Scheibe, daß ſie klirrend zerſprang.
Ach, ſagte Gotthold lachend, wie leicht zerbrech⸗ lich iſt doch das Glas; es hält nicht einmal Stand, wenn ein Bruder einen Freudenmarſch trommelt über das eheliche Glück ſeiner Schweſter.
Das Glück zerbricht oft ſo ſchnell, wie das Glas! rief Eduard zornig.
Unſer Glück nicht! ſagte Gotthold begeiſtert, denn Gott ſelber iſt es, der unſere Liebe ſegnet und ſie ſo tief und rein uns in's Herz gelegt hat. Nein, nein, unſer Glück iſt unvergänglich, Amalie wird an mir ſtets den treueſten und zärtlichſten
CEhemann finden, und daß ſie mich liebt, davon habe
ich ja täglich die glühendſten und leidenſchaftlichſten Beweiſe!
Aber weshalb alle dieſe Verſicherungen, dieſe Lob⸗ preiſungen? rief Amalie erglühend.
„Weshalb? ſagte er anſcheinend ganz erſtaunt. Wäre es nicht undankbar gegen Gott, von einem Glück nicht preiſend zu ſprechen, das wir ihm allein doch danken? Eine Zärtlichkeit nicht zu bekennen, die uns Beide doch ſo glücklich und ſelig macht⸗ „Wirklich, Sie ſind beneidenswerth mit Ihrer überſchwänglichen Seligkeit, ſagte Eduard ſarkaſtiſch und ſpielte gedankenlos mit dem koſtbaren Pokale von Nubinglas, der auf ſeinem Schreibtiſch ſtand.
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