Nein! Und doch ſagteſt Du es mir an Deinem Hoch⸗ zeitstage, als ich flehend, hier auf dieſer ſelben Stelle, zu Deinen Füßen lag. Warum denn thateſt Du das?
Höre mich an! Ich will es Dir ſagen!
Und mit hochathmender Bruſt, mit ſtockender Lippe, oft unterbrochen von ſeinen Ausrufungen und Schmer⸗ zensworten, erzählte Amalie ihrem Bruder, durch welche Ränke und liſtige Vorſpiegelungen Tante Auguſte ſie zu dieſer Heirath überredet habe, und wie ſie endlich darein gewilligt, Gotthold zu heirathen, weil Tante Auguſte ihr geſagt, daß Eduard ein reiches, ſchönes Mädchen liebe, deren Eltern aber ihm ihre Tochter nicht geben wollten, bevor nicht Amalie verheirathet ſei.
Und für mich, für mich haſt Du Dich geopfert! rief Eduard ganz überwältigt, ganz außer ſich, und ſank vor ihr nieder, um ihre Kniee zu umklammern, ihre Füße zu küſſen und ſie mit tauſend zärtlichen Namen zu nennen!
O hätteſt Du doch Vertrauen zu mir gehabt, ſagte er dann vorwurfsvoll, hätteſt Du nur an die Wahr⸗ heit meiner Liebe geglaubt, dann wäre alles dieſes nicht gekommen!
Und wann hätte ich an Deiner Liebe gezweifelt, Eduard! Aber die Liebe zu einer Schweſter ſchließt ja eine andere Liebe nicht aus.
Doch, doch, rief er leidenſchaftlich. Du, Amalie, biſt der Inbegriff aller meiner Liebe, und wenn ich an Dich denke, ſo ſcheint es mir, als ſei keine Liebe ſo rein, ſo himmliſch, ſo frei von allem Irdiſchen und Vergänglichen, wie die Liebe eines Bruders zu ſeiner Schweſter. In Dir umfaſſe ich Alles; meine ganze Welt, meine Jugend, meine Vergangenheit, meine Mutter, meine Heimath, dies Alles umſchlinge ich in Dir, und Du konnteſt denken, ich hätte in meinem Herzen Raum, noch ein anderes Weib zu lieben!


